Delta-Blues am Dahmeufer – Blues-Fans lieben die familiäre Atmosphäre des Festivals in Niederlehme (Teil 1)

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Dobro-Gitarre. (Foto: Jörg Levermann)

Dobro-Gitarre. (Foto: Jörg Levermann)

Es ist Freitag Abend, kurz nach Acht. Die Sonne steht tief über der Dahme, als Wolle and Friends aus der Lutterstadt Wittenberg mit typischen Gitarrenklängen und Bluesharp das zweitägige Blues Open-Air-Festival in Niederlehme eröffnen. Die schwüle Sommerluft und die melancholischen Klänge der Dobro-Gitarre, gespielt von Wolfgang Haase alias Wolle, lassen das Publikum auf der Festwiese am Dorfanger schnell in das Flair vom Mississippidelta eintauchen. Steffen Neumann alias Speiche unterstreicht mit seiner Bluesharp diese Stimmung. Bernd Dürholt, Bassist des Trios, rundet das Klangbild ab.

Zum neunten Mal findet das Blues Freiluftkonzert im Königs Wusterhausener Ortsteil statt. Organisiert haben es der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Niederlehme und der Blues am Rand e.V. Familien mit Kindern – teilweise sind sie aus Bayern und Sachsen angereist – haben es sich etwas abseits an Biertischen gemütlich gemacht. Einige Blues-Fans haben etwa zwölf Iglu-Zelte für die Nacht aufgestellt. Langsam kommt das Publikum in Fahrt, es wird locker getanzt. Die Bänke an den Biertischen auf dem Platz lichten sich immer mehr und die Tanzfläche vor der Bühne wird zunehmend voller.

Dresdner mag die familiäre Atmosphäre des Blues-Festivals

„Die haben wirklich Freude an ihrem Spiel“, kommentiert einer der Zuhörer den Blues von Wolle and Friends. Inzwischen kommen immer mehr Blues-Fans zur Festwiese und die asphaltierte Fläche vor der Bühne wird immer mehr zur Tanzfläche. Mannish Boy – die Wittenberger Blues-Band spielt ganz klassisch handgemacht den Song von Muddy Waters, der wohl zu den bekanntesten Blues-Standards zählt. Das Publikum lässt sich mitreißen. Inzwischen sind schätzungsweise dreihundert Menschen auf das Festivalgelände am Dahmeufer gekommen. „Es ist vor allem die familiäre Atmosphäre, die ich so toll finde“, sagt Stefan aus Dresden, der im Zelt übernachten will. So oft sei ihm beruflich etwas dazwischen gekommen. Doch dieses Jahr habe es endlich mal wieder geklappt dabei zu sein, sagt er in breitem sächsischem Dialekt.

Nach gut zwei Stunden lösen die Moan-Brothers aus Berlin die Wittenberger Blues-Band auf der Bühne ab. Nun klingt es etwas schroffer, rauer. Kantige E-Gitarren-Klänge prägen den Blues der Moan Brothers. Auch den Berlinern gelingt es, den Funken auf das Publikum überspringen zu lassen. Es geht mit, wiegt sich im Takt vor der Bühne. Mit eigenen Songs und bekannten Stücken begeistern sie die Blues-Fans.

Spontane Jam-Session entwickelt sich zum Höhepunkt des ersten Konzertabends

Womöglich hat das Berliner Blues-Trio den Abend ganz anders geplant. Er entwickelte sich jedenfalls zur spontanen Jam-Session. „Da war doch gerade jemand mit begnadeter Bluesharp auf der Bühne. Den möchte ich doch noch mal hier oben sehen“, sagte Dirk Jaeger (Doc Moan), Gitarrist, und forderte Speiche von Wolle and Frieds auf, wieder auf die Bühne zu kommen. Wenig später kam noch Wolle mit seiner Dobro-Gitarre. Die Festival-Besucher sind begeistert, wie beide Bands ein so rundes Klangbild ergeben. Doc Moan ist ein Energiebündel. Dennoch ist ihm die Anstrengung anzusehen. Im Scheinwerferlicht dampft sein durchgeschwitztes Hemd. Die spontane Jam-Session entwickelt sich zum Höhepunkt des ersten Festivalabends. Erst nach der Zugabe ließen die Festivalbesucher die Musiker von der Bühne. Noch bis tief in die Nacht wurde auf dem Festivalgelände gefeiert.

Lesen Sie in den nächsten Tagen, wie das Konzert am Samstag beim Publikum ankam. Theresa Berg war für die Eichwalder Nachrichten vor Ort.

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