Von Zeuthen auf die Kinoleinwand

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Jonas,  Delphi Filmverleih 2011

Filmplakat zu Jonas. (Foto: Delphi Filmverleih)

Zeuthen. Reality-Formate gibt es im Fernsehen. Jetzt gibt es sie auch in gut. Dass Schule Spaß machen kann, zeigt der Kinofilm Jonas mit Christian Ulmen als Macher – und das nicht nur in der Hauptrolle. Das allerbeste daran ist aber: Für den Spaß an der Schule und das Reale steht die Paul Dessau Schule in Zeuthen. Offen für die Idee zu sein, einen Kinofilm während des laufenden Schulbetriebs zu drehen, erfordert einerseits tatsächliche pädagogische Kompetenz und andererseits ein enormes Vertrauen in Schüler und Kollegen. Der Untertitel des heute anlaufenden Kinofilms wurde mit Leben gefüllt und ist nun bundesweit zu erleben: Stell Dir vor, es ist Schule und du musst wieder hin!

Eine Art Therapie war dieser Film besonders für Christian Ulmen, allein schon, weil er sich mal eben auf schlappe 18 Jahre herunter schminken lassen musste – und das vor jedem Schultag. Da kommen eigene Erlebnisse aus der Schulzeit wieder hoch: „Ich habe als Jonas meine ganz persönlichen Ängste als Schüler wieder erlebt: Wie es ist, eine wichtige Klassenarbeit zu verkacken; die Peinlichkeit und Scham, an der Tafel etwas vorzurechnen.“ Trotzdem es für ihn – im Gegensatz zu seinen Mitschülern – nicht um die Basis für seine Zukunft ging, wurde Ulmen recht schnell zu Jonas, wohl auch wegen der Normalität und des dokumentarischen Charakters dieser Rolle. „Ich war also sechs Wochen lang schlicht Jonas. Ich bin niemals als Christian Ulmen aufgetreten, sondern komplett mit meiner Rolle verschmolzen. Von Schülern wie Lehrern wurde ich von Anfang an als Jonas akzeptiert.“

Hinzu kam, dass Ulmen selbst mit diesem Kinofilm und -genre völlig neue Wege ging. Kein eigener Trailer, in dem man während der Pausen auf das servierte Catering zugreift und dann wieder zum Set zurückkehrt … Das Format reizte Ulmen auch wegen der neuen Herangehensweise: „Bei Jonas gab es den Albtraum schon – nämlich die Schule. Und die Idee war, in diesen Albtraum hineinzugehen, um zu beobachten. Nicht, um dort etwas auffliegen zu lassen oder zu provozieren. Ich wollte als Jonas ernst genommen und im Schülerkreis integriert werden. Ich habe mich vom System einfach mitreißen lassen und nicht versucht, es zu kontrollieren oder zu manipulieren. Das ist der wesentliche Unterschied zu all den Sachen, die ich davor gemacht habe.“

Kein Drehbuch im typischen Sinne, sondern lediglich ein roter Faden war nicht die einzige Herausforderung für die komplette Crew. Für alle Beteiligten ist die Arbeit an diesem Film eine völlig neue Herausforderung gewesen, die mit Bravour bestanden wurde. Das merken auch die Zuschauer und erleben im Kino anhand dieser teils dokumentarischen und teils lustigen Zeitreise ihre eigene Schulzeit noch einmal, nur mit den Besonderheiten der heutigen Anforderungen an das Leben junger Menschen. Vielleicht könnte Jonas neben guter Unterhaltung auch zu einem Hilfsmittel für diejenigen werden, die im Alltagstrott ihre eigene Jugend vergessen haben.

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