Wiederspiegeln der Zeitumstände

Halbe. Die Botschaft an diesem Abend! „Politik kann Spaß machen“, sagt Jens Wollenberg zum Abschluss der Veranstaltung. „Satire ist ein politisches Mittel“, so beginnt er das Programm. Wollenberg ist einer der kreativen Köpfe hinter diesem Programm, das am Samstagnachmitttag im Bürgertreff in Halbe aufgeführt und veranstaltet wurde von verschiedenen Aktionsbündnissen gegen Rechtsextremismus.

Zum Schauspiel-Ensemble gehörten u.a. Andriana Rimscha…(Foto: Christian Dederke)

Zusammenstellung, Regie und Moderation übernahm Wollenberg, der sich schon sein Leben lang mit Kurt Tucholsky beschäftigt, was auch mit seinem früheren Beruf als Lehrer zu erklären ist. Kurt Tucholsky zählt zu den bedeutendsten Publizisten der Weimer Republik. In seiner Zeit als politisch engagierter Journalist, erwies er sich als wachsamer Gesellschaftskritiker und erkannte schon früh Tendenzen die Gesellschaftsschädigend werden können. So gehörter er zu einen der wenigen Menschen, die vor der Bedrohung durch den Nationalsozialismus warnten.

„So viel Unterstützung wie in Halbe kriegen wir nirgends“, sagt der in Schulzendorf lebende Wollenberg mit Begeisterung. Gerade in Halbe sein Programm über Tucholsky aufführen zu dürfen, ist ihm sehr wichtig. Er hat die Aktivitäten im Ort gegen rechtsextreme Tendenzen schon vor Jahren begleitet. „Dieser Abend steht im Zeichen des Friedens, der Demokratie und gegen Fremdenfeindlichkeit“, eröffnet Arnold Mosshammer, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Lokales Aktionsbündnis gegen Heldengedenken und Naziaufmärsche, den unterhaltsamen Abend. Der Termin ist mit Bedacht gewählt, denn für den Vortag des Volkstrauertages organisierten die Aktionsbündnisse gemeinsam mit vielen Partnern jahrelang Demonstrationen gegen den Rechtsextremismus. Sie versuchten, mit friedlichen Bürgerfesten die nach der Wende einsetzende und zunehmende Vereinnahmung der Halber Kriegsgräberstätte Waldfriedhof durch Rechtsextreme einzudämmen. Kurt Tucholsky mit seinen satirischen Texten eignet sich dafür auf wunderbare Weise. “Das ist eine Widerspieglung de Zeitumstände und man kann immer etwas lernen“, sagt Jens Wollenberg.

…und Bernd Kummer.(Foto: Christian Dederke)

Beigetragen zu der angenehmen Atmosphäre der Lesung mit Chansons und Szenen hat auch das Bühnenbild. Es zeigt verschiedene Motive von Gemälden des Künstlers Carl Gross, der in derselben Zeit wie Tucholsky lebte. Charakteristisch sind die dunklen Farben und die Motive aus einem Deutschland der 20er und 30er Jahre Deutschlands. Erschaffen von der Kunstpädagogen Susanne Thäsler-Wollenberg, Ehefrau von Jens Wollenberg. „Mein Anspruch war es, ein Bühnenbild zu finden das sowohl in die Räumlichkeiten passt, als auch zum Programm“, so erklärt sie ihre Kulisse.

Im ersten Teil des Programmes wurden allgemeine und politische Themen behandelt und Wollenberg leitet elegant mit einigen Anekdoten über Tucholskys Leben über. Für sein Programm hat er sich eine bewährte Runde zusammengestellt. Bekannt aus Fernsehen und von Berliner Bühnen beteiligte sich der Schauspieler Bernd Krummer an der Zusammenstellung und Regie des Programmes. An seiner Seite der Pianist Tobias Bartholmeß. Der Pianist lehrt an der Berliner Universität der Künste. Das Ensemble vervollständigen Adriane Rimscha und Klaus Weiger. Unterhaltsam für das Publikum war das Stück über ein Ehepaar. Jenes paar erzählt ein Witz, oder bessergesagt versucht es. Jeder  Ehepartner fällt den anderen ins Wort und so zieht sich der Witz hin – belustigend für das Publikum in Halbe – und so ging es in die Pause.

Das umjubelte Schauspiel-Ensemble wird auch im nächsten Jahr in Halbe auftreten. (Foto: Christian Dederke)

Der weitere Teil des Abends beschäftigte mit den erotischen Stücken vom Lebermann Tucholsky. Leider kam es nicht mit zur Pointe des Witzes vom Ehepaar. Jeder soll sich sein teil denken, wenn es nach Tucholsky geht.

„Ich möchte den Bürger über den Parteigrenzen hinaus erreichen“, sagt der bekennende Linke Wollenberg und ergänzt: „Daher freut es mich das an diesem Nachmittag so viele neue Gesichter zu sehen und ich  zwei Drittel der Besucher nicht aus einer Partei kenne.“ Viel Lob und Anerkennung gab es an diesem Abend von den Besuchern für die Organisatoren und Schauspielern des Abends. Bereits an diesem Abend wurde beschlossen, die Veranstaltung in dieser Form, im nächsten Jahr fortzusetzen.

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